Schnittstelle Arbeitsmarktintegration

27.02.2026

Erwerbstätigkeit ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Selbstständigkeit und Anerkennung. Gleichzeitig zählt der Arbeitsmarkt zu den sensibelsten Bereichen, wenn es um Chancengerechtigkeit und Zugehörigkeit geht.
Für die kommunale Integrationsarbeit eröffnet das Handlungsfeld „Arbeit“ daher vielfältige, aber auch komplexe Anknüpfungspunkte und Gestaltungsmöglichkeiten. Anhand konkreter Praxisbeispiele werden nachfolgend einige davon dargestellt.


Eigene Strukturen sensibilisieren

Kommunen sind selbst Arbeitgeberinnen und tragen damit eine besondere Verantwortung. Integrationsbeauftragte bzw. Integrationsfachstellen können dazu beitragen, interkulturelle / vielfaltsorientierte Personalentwicklungsprozesse oder auch Gesamtöffnungsstrategien innerhalb der Verwaltung gezielt anzustoßen. Vielfaltssensible Stellenausschreibungen, Schulungen zur interkulturellen Kompetenz oder anonymisierte Bewerbungsverfahren machen deutlich, dass die Kommune das Thema nicht nur nach außen vertritt, sondern Diversität und Chancengerechtigkeit auch in den eigenen Strukturen aktiv lebt.


Informieren & Beraten

Kommunen engagieren sich teils mehr oder weniger direkt in der arbeitsmarktbezogenen Beratung von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt und damit auch ihre gesellschaftlichen Teilhabechancen zu erhöhen.
Manche Kommunen stellen dabei Fachinformationen z. B. zu arbeitsmarktrelevanten Beratungen und Anlaufstellen digital über ihre Website oder die Integreat App zur Verfügung oder legen Informationen wie Flyer an relevanten Stellen aus (z.B. Büro Integrationsbeauftragte, Bürgerbüro). In anderen Kommunen bieten Integrationsbeauftragte oder -fachstellen im Rahmen ihrer Beratung auch eine Verweisberatung zum Thema Arbeitsmarkt an. Vereinzelt schaffen Kommunen selbst Beratungsstrukturen, um den Zugang zum lokalen Arbeitsmarkt zu fördern. Die nachfolgenden Beispiele zeigen dies.

Stadt Neumarkt i.d.OPf.: Projekt „Arbeitsmarktintegration“.

Im Rahmen des Projekts wird ein kostenloses Coaching für Menschen mit Migrationsbiografie angeboten. Die Beratung umfasst Themen wie die Jobsuche, die Funktionsweisen des deutschen Arbeitsmarktes sowie die Erstellung aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Vorstellungsgespräche gezielt zu trainieren. Ergänzend werden eine Begleitung zu Vorstellungsgesprächen sowie eine berufliche Unterstützung nach erfolgreicher Vermittlung angeboten.

LH München: Anerkennungsberatung und Mentorenprogramm

Die Abteilung Migration, Integration, Teilhabe im Sozialreferat der Landeshauptstadt München berät zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen. Damit Integration in den Arbeitsmarkt ganzheitlich erfolgt, ist dort außerdem das Mentor*innenprogramm „Talents4Munich“angesiedelt. Hier sind Personen angesprochen, die einen Hochschulabschluss aus dem Ausland haben und unterqualifiziert oder nicht in ihrem Beruf arbeiten oder arbeitssuchend sind. Weiter


Öffentlichkeit schaffen

Öffentlichkeitsarbeit kann ein starkes Instrument sein, um lokale Unternehmen für das Thema Vielfalt zu gewinnen. Integrationsbeauftragte bzw. Integrationsfachstellen können positive Beispiele kommunizieren, Informationsveranstaltung veranstalten bzw. mitgestalten, Diskriminierung sichtbar machen und so zur Stärkung eines vielfaltsoffenen Arbeitsklimas beitragen.

Stadt Erlangen: Veranstaltungsreihe Vielfalt Indiens 2024

Ziel der Veranstaltungsreihe war es die Sichtbarkeit, Integration und Bindung von Inder*innen in Erlangen als größte migrantische Community zu stärken. Über die gemeinsame Entwicklung eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms inkl. finanzieller Unterstützung wurde den indischen Gruppen und Vereinen Möglichkeiten zur sozialen und kulturellen Integration gegeben, die Strukturierung untereinander gefördert sowie Zugänge zu städtischen Angeboten und Dienstleistungen transparent gemacht. Weiter


Strategisch planen

Ein kommunales Integrationskonzept bündelt die strategische Arbeit einer Kommune im Kontext kommunaler Integrationsarbeit. Auch im Handlungsfeld „Arbeit“ bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten gezielte Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration zu entwickeln und Kooperation mit Jobcentern, Kammern und anderen lokalen Arbeitsmarktakteur*innen zu stärken. So wird Integration im Arbeitskontext strategisch gemeinsam mit allen relevanten Partner*innen bearbeitet.


Vernetzen

Integrationsbeauftragte bzw. Integrationsfachstellen sind starke Netzwerkpartner*innen vor Ort. Im Kontext Arbeitsmarktintegration können sie Austausch und Kooperation zwischen relevanten lokalen Akteur*innen initiieren und fördern. Dabei wirken sie auf verschiedenen Ebenen: Sie setzen Impulse, um bestehende Netzwerke im Handlungsfeld um Akteur*innen und damit auch Perspektiven aus dem Bereich Migration und Integration zu erweitern (z. B. Integrationsrat). Außerdem etablieren sie eigene, vertrauensvolle Kontakte mit Partner*innen aus Wirtschaftsförderung, Jobcentern oder Kammern. Daraus können wiederum fachübergreifende Kooperationen und Gemeinschaftsprojekte entstehen, wie das nachfolgende Beispiel zeigt.

Beispiel: Landkreis Freising: Veranstaltungsreihe „Wie machen es eigentlich die Anderen? Austausch der Unternehmen mit Partnern zum Thema ‚Onboarding ausländischer Mitarbeitender‘

Die Veranstaltungsreihe war eine Kooperation der Integrationsbeauftragten und der Wirtschaftsfrderung des Landkreises. Für die Umsetzung wurden weitere lokale Netzwerkpartner*innen beteiligt. Übergeordnetes Ziel war es, internationale Fachkräfte langfristig sowohl in den Betrieben als auch im gesellschaftlichen Leben des Landkreises Freising zu integrieren und somit zu binden. Zunächst fanden ein Vernetzungstreffen der Gemeinden zum Austausch über Arbeitsmarkt und Integration sowie eine pressewirksame Aktion mit regionalen Best-Practice-Unternehmen und Institutionen statt. Darauf aufbauend wurde ein Netzwerktreffen für Unternehmen zum Erfahrungsaustausch über das Onboarding ausländischer Mitarbeiter*innen durchgeführt, das auf großes Interesse stieß. Aufgrund des Erfolgs wurde die Veranstaltung wiederholt, wobei Unternehmen unterschiedlicher Größe ihre Strategien zur erfolgreichen Integration internationaler Mitarbeiter*innen vorstellten. Weiter


Willkommens- und Anerkennungskultur mitgestalten

Kommunale Integrationsarbeit kann durch die Gestaltung einer offenen und wertschätzenden Willkommens- und Anerkennungskultur einen Beitrag zur Integration in den Arbeitsmarkt und in das gesellschaftliche Miteinander verbinden und unterstützen.
Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit Partner*innenn aus Wirtschaft, Jobcentern und Kammern entscheidend. Durch gemeinsame Initiativen, soziale Vernetzungsangebote und Beteiligungsmöglichkeiten können Menschen nicht nur beruflich, sondern auch sozial vor Ort integriert und gehalten werden. So wird Integration als aktiver Gestaltungsprozess erlebt, der Teilhabe und Zusammenhalt in der Kommune stärkt.

Landkreis Tirschenreuth: Fachkräftezentrum

Das Fachkräftezentrum versteht sich als Willkommenszentrum, das angehende internationale Fachkräfte bei Anreise, Onboarding und Berufseinstieg individuell betreut und bei kommunaler und beruflicher Integration kontinuierlich begleitet. Dabei wird besonderer Wert auf demokratische Teilhabe, Chancengleichheit und Community Building gelegt. So können die sozialen Haltefaktoren gestärkt werden, um das Wohlergehen der Menschen und ihrer Familien in der Nordoberpfalz zu gewährleisten und sie an die Region zu binden. Weiter

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Bildquelle: Unsplash